Hypnotherapie hochwirksam bei Migränebehandlung – eine aktuelle Studie
In der vorliegenden Studie nahmen 48 stationäre Patienten teil. In der Endauswertung konnten die Daten von 29 Patienten (21 weiblich, 8 männlich) im Alter zwischen 19 und 63 Jahren berücksichtigt werden. Diese wurden in zwei Gruppen randomisiert.
17 Patienten erhielten nach zweiwöchiger stationärer Behandlung regelmäßig Hypnose- Behandlungen neben den üblichen Therapien (med. Therapien, KG, physikalische Maßnahmen ohne psychotherapeutische Angebote).
12 Patienten erhielten die üblichen Therapien und zusätzliche Entspannungs-Verfahren (PR, AT) sowie ein psychotherapeutisches Angebot.
Auf der Basis einer ausführlichen Klienten-Dokumentation zu Behandlungsbeginn (ärztliche Untersuchung und Patientenbefragung) wurde der Verlauf der Behandlung in beiden Gruppen mittels Fragebogen und Schmerzkalender bis zum Ende der Untersuchung (9 Katamnesen) erhoben.
Damit konnten individuelle Verläufe und deren Veränderungen zuverlässig abgebildet werden. Im Mittelpunkt der Studie standen die folgenden Fragestellungen:
1) Die Effektivität der Hypnosetherapie bei der Behandlung der Kopfschmerzen vom Migränetyp
2) Die Rolle der Suggestibilität in der Effektivität der Hypnosetherapie
Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen, dass eine gezielte, individuell abgestimmte Hypnosetherapie, die die Kompetenz der Patienten miteinbezieht, durch die Arbeit an bio-psycho- sozial schmerzfördernden Mechanismen hochwirksam ist. Im Gruppenvergleich wurde in der Untersuchung bei der Gruppe mit Hypnosetherapie (HG) eine deutliche bzw. signifikante Besserung der Migränekopfschmerzen (Häufigkeit, Intensität, Dauer) erreicht. Diese ist verbunden mit einer deutlichen Verbesserung der depressiven Verstimmungen und Angst unter der Hypnosebehandlung. Bei der HG fallen die Werte für Häufigkeit, Intensität und Dauer der Kopfschmerzattacken sowie für Angst und depressive Verstimmung kontinuierlich ab. In der Gruppe ohne Hypnose kann ebenfalls eine Besserung v. a. bis zu der Zeit der stationären Behandlung beobachtet werden. Die Werte steigen aber dann wieder an und erreichen fast den Ausgangswert.
Die Patienten in der HG zeigten ein erstaunlich hohes Maß an Zufriedenheit. Weiterhin konnte eine hohe Motivation der Patienten festgestellt werden, erledigten regelrecht ihre “Hausaufgaben“.
Sie führten auch mit großer Überzeugung ihre Selbsthypnose (im Rahmen der Selbsttherapie) durch. Die Patienten lernten während der stationären Behandlung frühe Warnsignale ihres Körpers zu beachten. Ihre Migräne-Kopfschmerzen wurden als “der beste Freund“ gedeutet, dem der Patient z. B. “mitteilt“, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt. Für die Wahrnehmung von Problemen und zur Problemlösung lernten die Patienten, Selbsthypnose einzusetzen.
Dadurch werden die Patienten in einer aktiven Rolle zur Selbstbehandlung (Aktivierung der Selbstheilungskräfte) gefördert. Ferner erfuhren die Patienten das Gefühl der Selbstbestimmung und v. a. der Kontrollüberzeugung. Die häufig angenommene Vorstellung, dass bei Hoch- Suggestiblen die Effektivität der Hypnosebehandlung größer ist, konnte nicht bestätigt werden. Der Einfluss der Suggestibilität wurde sowohl im Verlauf der stationären Behandlung als auch im Langzeiteffekt ausgeschlossen. Es ist aber zu erwähnen, dass die Gruppengrößen für Gering-, Mittel- und Hochsuggestible relativ gering war.
Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass Hypnose insbesondere in der Behandlung von chronischen Migränekopfschmerzen mit häufigen Attackenfrequenzen eine sehr geeignete Therapie darstellt.
M.E.G.A.Phon 9/06, S. 26-27
Autoren:
- S. Moshref Dehkordy , P. Bülau (Westerwaldklinik Waldbreitbach, Schwerpunktklinik Neurologie & Psychosomatik)
- C. Smolenski (Dr. v. Ehrenwallsche Klinik Ahrweiler, Fachklinik für Psychiatrie & Psychotherapie)