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Universitätsstudie: Selbsthypnose reduziert Schmerzen und Arzneimittelverbrauch

Im letzten Newsletter wurde gezeigt, dass es körpereigene Schmerzmittel gibt, die effektiver sind als Morphium. Auch habe ich auf die Notwendigkeit, nach mehr Studien hingewiesen, die körpereigene Möglichkeiten zur Schmerzreduzierung untersuchen, anstatt ausschließlich auf Medikamente zu orientieren. Es gibt zwar nur wenige Studien, aber es gibt sie. Heute stelle ich Ihnen eine Doppel-Studie der Universität Göttingen vor zum Thema Selbsthypnose bei chronischen Schmerz (*1). Diese Studie ergibt ganz klare Aussagen: Selbsthypnose: Reduziert Schmerzen und Arzneimittelverbrauch.

In einer ersten Studie wurde die Wirksamkeit der Selbsthypnose zur Schmerzlinderung geprüft. Sie ergab: Chronische Schmerzpatienten können mit Hilfe der Selbsthypnose die Stärke ihrer Schmerzattacken deutlich verringern.

In der sich anschließenden Folgestudie wurde die Wirkung auf den Medikamentenkonsum untersucht.

Unter Anleitung geschulter Therapeuten erlernten die betreffenden Patienten in zehn Sitzungen mit Hilfe einer individuell besprochenen Audiokassette, sich in eine tiefe Entspannung (Selbsthypnose) zu versetzen.

Hier die Ergebnisse:

  • Patienten mit chronischen Schmerzen konnten dauerhaft auf 60 bis 75 Prozent ihrer Medikamentendosis verzichten.
  • Die Dosis bei Schmerzmitteln (Analgetika) konnte um 60 Prozent reduziert werden.
  • Die Dosis der Antidepressiva konnte um 63 Prozent reduziert werden.
  • Die Dosis der Opiate konnte sogar um 75 Prozent gesenkt werden.
  • Mehr noch, die Reduzierung des Schmerzes ging bei den untersuchten Patienten auch mit einer Steigerung ihres körperlichen und seelischen Wohlbefindens und einer Verminderung depressiver Symptome einher. Sie waren in der Lage, wieder soziale und berufliche Aktivitäten aufzunehmen.
  • Eine Nachuntersuchung drei Monate später  zeigte, dass sich diese Ergebnisse auch nach drei Monaten als stabil erwiesen.

Der Leiter der Studie, Dr. Stefan Jacobs vom Georg- Elias- Müller- Institut für Psychologie hebt hervor: "Erstmals steht mit unserem Verfahren eine effektive, hoch wirksame Methode zur Schmerzreduktion zur Verfügung".

Diese Studie hat nach meiner Einschätzung einen hohen praktischen Nutzen, denn sie zeigen Ärzten, Therapeuten und auch Hilfe suchenden Patienten einen Weg auf, wie sie SELBST erheblich zur Linderung ihrer Schmerzen beitragen können. Wer mit chronischen (Schmerz)Patienten arbeitet, weiß, dass gerade das Gefühl der Hilflosigkeit in starkem Maße zu deren Leiden sowie zur Hilfs- und Hoffnungslosigkeit beiträgt. Ich finde, die Ergebnisse diese Studien sollte allen Schmerztherapeuten und Schmerzpatienten zugänglich gemacht werden. Dieser Artikel soll einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Dass Entspannung und Trance zur Schmerzlinderung bis hin zur völligen Schmerzunempfindlichkeit beitragen können, ist seit Jahrtausenden in vielen Kulturen bekannt. Den besonderen Wert der Studie sehe ich darin, dass nachgewiesen wurde, dass auch Menschen, die keine Yogis, Fakire oder Angehörige eines Indianerstammes sind erlernen können, ihre Schmerzen zu lindern und gleichzeitig den Medikamentenkonsum zu vermindern und ihre seelische Befindlichkeit und ihre Leistungsfähigkeit wieder deutlich zu verbessern.

Sind Sie selbst Schmerzpatient oder kennen Sie jemanden, der unter chronischen Schmerzen leidet? Dann wird Sie interessieren, dass es derzeit bereits 200 Ärzte gibt, die in dieser Methode geschult wurden und diese in ihren Praxen anbieten. Eine Therapeutenliste ist im Internet unter www.psych.uni- goettingen.de/special/tbz abrufbar.

(*1) Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie (www.psych.uni- goettingen.de)